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Chronik Kapitel


Einheit als Herausforderung 1990 bis 1998

Man sucht die Verbindungen und Begegnungen, die Jahrzehnte nicht möglich waren. 1990 findet ein erstes Treffen der Gemeindeleitung der Gemeinden Berlin-Charlottenburg mit dem Pastor und dem Gemeindeleiter der ehemaligen Stationsgemeinde Potsdam statt. Gemeinsame Gemeindeleitungssitzungen folgen, um gegenseitig die Gemeindearbeit kennenzulernen und zu klären, ob und wie man der ehemaligen "Tochter" in der neuen Situation zur Seite stehen kann.

Die veränderte Situation zwischen Ost und West kommt allerdings nicht nur in diesen Kontakten zum Tragen, sondern auch in der weitergehenden Entwicklung eines Arbeitszweiges, welcher über die kommenden Jahre die Außenwirkung der Gemeinde in der Friedenskirche nicht unwesentlich bestimmen soll, und intern immer wieder manche Diskussionen auslöst: das Wochencafé, das Besucher aus dem Ostteil der Stadt aufnahm, beginnt, immer mehr sozial schwach gestellte und wohnungslose Menschen zu beherbergen. Die missionarisch-diakonische Arbeit in dieser Einrichtung der Gemeinde spezialisiert sich auf diese Bevölkerungsgruppe. 1991 wird Udo Ferfers als sogenannter "missionarischer Mitarbeiter" schwerpunktmäßig für die Arbeit im Wochencafé angestellt, die ansonsten über die Jahre mit viel Einsatz fast jeden Tag von ehrenamtlichen Mitarbeitern geleistet wird und seit 1994 mit Unterstützung von Zivildienstleistenden. Über die Förderung dieser diakonischen Arbeit durch den Senat von Berlin ergeben sich gute Kontakte zum Bezirksamt. Die diakonische Arbeit der Gemeinde weitet sich zusätzlich aus, als sich 1991 zwei weitere Arbeitsgruppen innerhalb der Gemeinde bilden, die bis heute noch bestehen. Eine Selbsthilfegruppe formiert sich, die sich jeweils an einem Abend in der Woche trifft, um miteinander über Lebens- und Glaubensfragen suchtkranker Christen zu reden. Eine Berliner Ortsgruppe der überregionalen Lebensrechts-Initiative "Pro Vita" bildet sich als Gemeindegruppe, um vor allem mit Beratung und praktischer Hilfe Frauen in Schwangerschaftskonflikten zu unterstützen.

Neben den neu begonnenen diakonischen Projekten werden aber auch alte Traditionen weitergeführt. Evangelistische Veranstaltungen finden in regelmäßigen Abständen statt, mal mit dem Janz Team aus Lör¬rach oder mit Pastor Karl-Heinz Gromberg, mal kindgerecht mit dem Puppentheater "Regenbogenstraße" oder informativ in Form eines Bibelcafés ICHTHYS, in dem Passanten Nachdenkliches zum Jahr der Bibel bei einer Tasse Kaffee angeboten wird. Der Mutter-und-Kind-Kreis hat seit 1993 eine neue Tradition eingeführt: er öffnet zweimal im Jahr die Tore zu den Höfen des Gemeindegrundstücks um dort sogenannte "Baby-Bazare" zu veranstalten, wo gut erhaltene Kinderkleidung und Spielsachen an Verkaufsständen angeboten werden und Gemeindegruppen ein Programm um den Verkaufsrummel veranstalten.

Auch im letzten Jahrzehnt der bisherigen Gemeindegeschichte gab es manche personellen Veränderungen. Im Jahr 1990 gibt Horst Joost seinen Dienstwechsel in die Gemeinde Bad Oeynhausen bekannt. Sein Nachfolger wird im Mai 1991 Bernhard Schwöll aus der Bethel-Gemeinde in Stuttgart. An seiner Seite nimmt schon bald zu Beginn des Jahres 1992 ein zweiter Pastor, Michael Kißkalt, seinen Anfangsdienst mit Schwerpunkt "Junge Gemeinde" auf. Als dieser nach Beendigung des Vikariats mit seiner Frau Margit in die Missionsarbeit nach Kamerun geht, beginnt Dr. Frank Woggon 1995 seinen Anfangsdienst in der Gemeinde, zunächst an der Seite von Bernhard Schwöll. Nach dessen Verabschiedung in den Ruhestand 1996 und Beendigung des Vikariats wird Frank Woggon von der Gemeinde als ihr Pastor bestätigt. Klaus Timm wird 1994 als zweiter Ältester bestätigt. Im Juni 1995 verabschiedete die Gemeinde eine langjährige Mitarbeiterin: Schwester Brigitte Golbeck beendet nach zwanzig Jahren ihren Dienst als Gemeindeschwester und beginnt ihren Ruhestand. Ihre Nachfolgerin als Gemeindediakonin wird Kirsten Schwöll. Nicht nur Neuerungen und neue Mitarbeiter werden in diesen Jahren eingeführt, sondern Altes wird auch aufgegeben. So wird die Arbeit auf der Station in Siemensstadt nach einer bewegten Geschichte von mehr als achtzig Jahren im September 1996 eingestellt. Gab es dreißig Jahre zuvor noch Pläne und Menschen für eine eigenständige Gemeinde dort, so beschränkte sich die Arbeit zum Schluß auf einen treu, aber schwach besuchten Bibelgesprächskreis, der sich in der Schule im Jungfernheideweg traf.

Loslassen und Neues umarmen - das gehört zu jeder individuellen Geschichte und auch zur Geschichte von Gemeinden, wie die vorangehenden Seiten zeigen. Äußere Faktoren können das notwendig machen: zwei Kriege, der Bau der Mauer und ihr Fall haben ihren Einfluß auf die Geschichte der Baptistengemeinde in Berlin-Charlottenburg gehabt und zum Teil Entwicklungen beeinflußt. Unterschiedliche Generationen von Pastoren und engagierten Mitgliedern der Gemeinde haben geprägt und ihrerseits Entwicklungen veranlaßt. Loslassen und Neues umarmen - das ist kein Automatismus oder Selbstzweck, sondern notwendig, um als christliche Gemeinde die Frage nach der eigenen Relevanz - und manchmal auch Effektivität - zu beantworten. Unterschiedliche Zeiten haben in der Charlottenburger Baptistengemeinde unterschiedliche Antworten hervorgebracht. Im letzten Jahrzehnt bestand eine Antwort auf die Frage nach der Relevanz der Gemeindearbeit im verstärkten diakonischen Engagement. Am Ende dieses Jahrhunderts - und fast zu Beginn eines neuen Jahrtausends - darf die Frage nach dem konkreten Auftrag dieser Gemeinde neu gestellt werden.

So ist das 100. Jubiläum der Gründung der Baptistengemeinde in Berlin-Charlottenburg nicht nur Anlaß zu dankbarer oder auch kritischer Erinnerung, sondern gleichzeitig eine gute Gelegenheit, auf der Grundlage einer bewegten Geschichte Perspektiven zu entwickeln und neue Wege zu erproben. Manche Aktivitäten der Gemeinde im Jubiläumsjahr - wie die Teilnahme als Mitveranstalter am 1. Berliner Theatermarkt an der Deutschen Oper, die Entwicklung eines neuen graphischen Erscheinungsbildes, der begonnene Prozess einer Beratung bezüglich zukünftiger Ziel der Gemeindearbeit und ein geplantes Forum zu Fragen der politischen Verantwortung von Christen in der Hauptstadt - wollen damit ernst machen. Dabei geht es aber nicht einfach um Aktion, sondern um Mission: um die Sendung der Gemeinde Jesu, die immer geschichtlich bedingte Formen annehmen wird und muß, aber die unabhängig von Formen, Ausprägungen und historischen Bedingungen ihre grundlegende Orientierung durch das Evangelium von der Menschenfreundlichkeit Gottes erhält.

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