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Chronik Kapitel


Chronik, Der weite Weg der Baptisten nach Berlin

Die Geschichte der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde in Berlin-Charlottenburg beginnt genau genommen nicht im Berlin des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts, sondern im angelsächsischen Kulturkreis des beginnenden siebzehnten Jahrhunderts. In Europa und England war das siebzehnte Jahrhundert eine Zeit des Umbruchs. Der Westfälische Friede von 1648 markierte das Ende der Reformationszeit und läutete mit seiner begrenzten Anerkennung des Protestantismus eine neue Ära in der Geschichte des Christentums ein. Gewaltige Veränderungen fanden im politischen, sozialen und wirtschaftlichen Bereich statt - Veränderungen, die niemand vorhersagen, wenige beeinflussen und viele auch nicht verstehen konnten. In dieser ungewissen und aufgewühlten Zeit entstanden die Baptisten als eigenständige Denomination. Die ersten Baptistengemeinden bildeten sich im frühen siebzehnten Jahrhundert in England und Holland. Sie erwuchsen aus intensiven Reformationsbestrebungen, die von solch radikalen Bewegungen wie dem Puritanismus, dem Separatismus und wahrscheinlich dem Täufertum beeinflußt waren, aber auch durch die Theologie der schweizer Reformatoren Huldreich Zwingli und Johannes Calvin. Wurde in manchen Gruppen, die sich von der Kirche Englands trennten, zunächst die Form der Säuglingstaufe für glaubende Menschen übernommen, ging man bald dazu über, durch vollständiges Untertauchen zu taufen. Diese Praxis bescherte den jungen Gemeinden den Spitz- oder Schimpfnamen "Baptisten".

Als eine Gemeinschaft, die in England bis 1689 selbst verfolgt wurde, traten Baptisten energisch für Gewissens- und Religionsfreiheit ein. Nicht wenige der "separatistischen" Kritiker der Kirche Englands sahen es aber Anfang des siebzehnten Jahrhunderts als sicherer an, das Land zu verlassen. So auch der ehemalige anglikanische Geistliche Roger Williams. Er nahm 1630 die Berufung einer unabhängigen Gemeinde in der Nähe von Boston, Neu-England an, aus der heraus er 1639 die erste Baptistengemeinde in der "Neuen Welt" gründete. Unabhängig von dieser Gemeindegründung bildeten sich bald weitere Baptistengemeinden in Neu-England. Da nicht wenige der Siedler aus Europa Baptisten waren, wurden dann auch im Zuge der Besiedlung des Mittleren Westens und Südens im kolonialen Amerika Baptistengemeinden gegründet. Von den kleinen Anfängen in Boston an sind die Baptisten in Nordamerika in weniger als vier Jahrhunderten zur größten protestantischen Denomination angewachsen. Von Anfang an legten sie Wert auf das Bildungswesen und bauten eigene Schulen und Universitäten auf, die zum Teil noch heute bestehen und einen guten Ruf genießen. Unter ihnen ist das Hamilton College im Staate New York, das heute noch unter anderem Namen als theologische Hochschule in Rochester angesiedelt ist.

An diesem College unterrichtete Barnas Sears, der sich nicht nur als Professor in Nordamerika einen Namen machte, sondern auch in Deutschland einer Bewegung zum Start verhelfen würde, die weit über die Grenzen Deutschlands hinausreichen sollte. Während einer Studienreise nach Europa taufte er in der Elbe bei Hamburg am 22. April 1834 sieben Männer und Frauen, die daraufhin eine Gemeinde gläubig getaufter Christen bildeten, welche gern als erste Baptistengemeinde auf dem europäischen Kontinent bezeichnet wird. Streng genommen kommt dieser Titel allerdings der kleinen Schar um John Smyth und Thomas Helwys zu, die sich 1609 in Amsterdam als Gemeinde aufgrund der Gläubigentaufe konstituierten, und zwei Jahre später nach einigen internen Spannungen und einer Trennung nach England zurückkehrten.

2.jpg Wie dem auch sei, der Anfang des kontinental-europäischen Baptismus war im Jahre 1834 mit sieben Menschen gemacht, unter ihnen auch Johann Gerhard Oncken, der in dem ersten Gottesdienst der jungen Gemeinde von Barnas Sears zu ihrem "Prediger und Pastor" ordiniert wurde. Mehr als vier Jahrzehnte sollte er die Gemeinde in Hamburg leiten und prägte bis wenige Jahre vor seinem Tod 1884 maßgeblich den deutschen Baptismus. Von Hamburg aus bereiste er Deutschland und die meisten Länder Europas, predigte und unterrichtete, wo auch immer er hinkam, gründete Gemeinden und organisierte die Mission. So gab es bereits im Revolutionsjahr 1848 in Deutschland fünfundzwanzig Baptistengemeinden und fünf von Deutschland aus gegründete Gemeinden in Dänemark.

Oncken.jpg Drei Jahre nach der denkwürdigen Taufe in der Elbe wurden von Oncken im Rummelsburger See vor den Toren Berlins am 13. Mai 1837, dem Sonnabend vor dem Pfingstfest, sechs Männer und Frauen getauft. Sie gründeten im Pfingstgottesdienst am folgenden Tag die erste Baptistengemeinde in Berlin. Ihr Vorsteher war der Kupferstecher Gottfried Wilhelm Lehmann, in dessen Wohnung auch die Versammlungen der Gemeinde abgehalten wurden, deren Besuch aber bald so anwuchs, daß die Gemeinde einen Raum in der Scharrenstraße in Berlin-Mitte anmietete. Baupläne für eine eigene Kapelle wurden von der Baupolizei nicht genehmigt, da Baptisten zu dieser Zeit keinerlei rechtliche Anerkennung besaßen. Da kam die Gemeinde auf die Idee, ein "Wohnhaus für Herrn Lehmann" zu bauen. Es sollte im obersten Stock einen großen Raum erhalten, der als Versammlungssaal dienen konnte. Die Baupläne für dieses Projekt wurden ohne weiteres genehmigt, und so konnte der Bau in der Schmidstraße im Südosten Berlins beginnen.

Die Revolution von 1848 brachte Gewalt und Blutvergießen, aber auch das Recht auf Versammlungsfreiheit. Am 18. März 1848, nur acht Tage nach Ausbruch der Aufstände, fand die erste unangemeldete Versammlung in der "neuen Kapelle" statt. In den folgenden Jahren wuchs die Zahl der Gemeindemitglieder beträchtlich. Die als Wohnhaus konzipierte Kapelle erwies sich bald als unzureichend, zumal sie auch keine Gelegenheit zum Taufen bot. Die Taufen wurden immer noch - zumeist nachts - im Freien durchgeführt. So entschloß sich die Gemeinde, das Wohnhaus zu erweitern und eine ihren Zwecken genügende Kapelle zu bauen. Diese wurde am 10. November 1861 mit der ersten öffentlichen Taufe von gläubig gewordenen Menschen in Berlin eingeweiht. Zu dieser Einweihung hatten der Magistrat und die Stadtverordneten Abordnungen entsandt, die in ihren Amtstrachten erschienen und damit vermuten ließen, daß die Behörde wohlwollend an dem Gedeihen dieser Gemeinde interessiert war. Das Gedeihen blieb tatsächlich nicht aus, und auch nach fünfundzwanzigjährigem Bestehen wuchs die Gemeinde in der neuen Kapelle rasch zahlenmäßig weiter, so daß sogenannte Stationsgemeinden in anderen Stadtteilen gegründet wurden. Südlich der Spree und westlich der Havel gehörten die Stationen Charlottenburg, Steglitz, Mariendorf, Rixdorf-Neukölln und Spandau, sowie einige Stationen außerhalb Berlins zur "Ersten Baptistengemeinde zu Berlin" in der Schmidstraße in "Berlin SO".

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