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Chronik Kapitel


Charisma und Mission 1973 bis 1989

Im Jahr 1973 beginnt Willi Bergemann seinen Dienst als Pastor und tritt die Nachfolge von Ernst Krischik in Charlottenburg an. Im selben Jahr wird eine neue Gemeindeordnung beschlossen, die es nötig macht, daß der Vorstand geschlossen zurücktritt und eine neue Gemeindeleitung gewählt wird, aus der heraus dann Älteste berufen werden. Dr. Wolfhard Margies, der im Jahr zuvor das Amt des stellvertretenden Gemeindeleiters übernommen hat, wird geschäftsführender Ältester. Bereits 1967 hatte er daran erinnert, durch Offenheit gegenüber neuen Methoden, das Gemeindeleben zu aktivieren, und dabei an Kleingruppen gedacht, in denen intensive Schulung von Mitgliedern der Gemeinde stattfinden kann. Joachim Jäger und Günter Spielmann werden von der Gemeinde als weitere Mitglieder des Ältestenkreises bestätigt. Ab 1974 findet neben dem Sonntagsgottesdienst jeweils samstags ein Abendgottesdienst unter der Leitung von Wolfhard Margies statt, der in seinem Stil über die Jahre hinweg immer deutlicher charismatisches Erleben widerspiegelt und einen relativ festen Teilnehmerkreis hat - den sogenannten "Ruach-Kreis", eine Gruppe, die zum größten Teil aus jungen Erwachsenen der Charlottenburger Gemeinde und anderer Berliner Kirchen und Freikirchen besteht. Nachdem Wolfhard Margies 1975 von einem halbjährigen Aufenthalt an einer Bibelschule in den Vereinigten Staaten zurückkehrt, verselbständigt sich diese Gruppe innerhalb der Gemeinde immer mehr und ihre Veranstaltungen und Theologie bieten häufig Gesprächsstoff im Leitungskreis der Gemeinde, insbesondere nachdem Wolfhard Margies 1975 aus der Gemeindeleitung ausscheidet. Günter Spielmann tritt die Nachfolge als geschäftsführender Ältester an und wird in diesem Amt mit großem persönlichen Einsatz fast 25 Jahre prägend wirken.

Willi Bergemann hat gleich zu Anfang seiner Arbeit in Charlottenburg ein Signal für die nächsten zehn Jahre gesetzt, indem er evangelistische Gesprächsabende veranstaltete. Immer wieder spielen in dieser Zeit evangelistische Veranstaltungen eine wichtige Rolle im Gemeindeleben. Aber es sind nicht nur Großevangelisationen und Zeltmissionswochen, sondern auch die kontinuierlich nach außen gerichtete Arbeit der Gemeinde wird gefördert. So entsteht zum Beispiel 1977 eine sogenannte "Teestube" im Ladenlokal an der Bismarckstraße, und daneben 1979 eine "Bücherstube", in der christliche Literatur angeboten wird. 1975 übernimmt man die Patenschaft für die Neulandmissions-Gemeinde in Landshut. Schaut man in die Gemeindestatistik, so scheinen all diese Aktivitäten unmittelbaren Erfolg gehabt zu haben. Jedoch ist die Mitgliederzahl vor allem seit 1975 in die Höhe geschossen, weil eine koreanische Gemeinde, die Gastrecht in der Friedenskapelle genießt, komplett aufgenommen wird. Zu besonderen Gelegenheiten und Festzeiten gibt es immer wieder Berührungspunkte zwischen den "alteingesessenen" Mitgliedern der Gemeinde und den asiatischen Neuankömmlingen. Wegen der Sprachschwierigkeiten bleibt der koreanische Kreis aber eine "Gemeinde in der Gemeinde" und zum Gottesdienst und anderen Veranstaltungen für sich. Als innerhalb der koreanischen Gemeinde die Gruppe der Presbyterianer wächst und einflußreich wird, erklärt sich Pastor Li bereit, auf deren Wunsch hin auch Säuglingstaufen durchzuführen. Da Spannungen zur baptistischen Grundauffassung von Gemeinde und Gemeindemitgliedschaft offensichtlich sind, beschließt die Leitung der koreanischen Gruppe, eine selbstständige Gemeinde zu gründen und trennt sich 1979 von der Gemeinde in der Friedenskapelle.

Größere bauliche Veränderungen ergeben sich 1974. Eine Renovierung der Kircheninnenräume ist notwendig geworden, sowie auch die Erstellung eines größeren Gemeindesaals als Mehrzweckraum. Auch eine neue Orgel ist in Auftrag gegeben. Während der Umbauarbeiten ist die Gemeinde, wie auch schon bei einer Renovierung zehn Jahre zuvor, Gast in der Evangelischen Lietzenseekirche. Das Ende der umfangreichen Renovierung und die Einweihung der neuen Lötzerich-Orgel wird am 6. Oktober 1974 festlich begangen. Einen Monat später beendet Schwester Christa ihren Dienst als Gemeindeschwester. Das Diakoniewerk Bethel teilt mit, daß für die nächste Zeit keine Diakonissen mehr als Gemeindeschwester zur Verfügung stehen. So wird 1975 als neue Gemeindeschwester Brigitte Golbeck, eine ehemalige Krankenschwester, berufen. 1980 hat sich der Kreis um Wolfhard Margies in Wilmersdorf etabliert und bleibt in seiner theologischen Ausrichtung und seiner Zielsetzung in der "Muttergemeinde" umstritten. Als die Gruppe anfragt, ob sie offiziell als Stationsgemeinde der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Berlin-Charlottenburg ausgesandt werden kann, kommt es in einer Gemeindeversammlung zur Abstimmung. Mit knapper Mehrheit spricht sich die Gemeinde dagegen aus, daß diese "Station" offiziell übernommen wird. So trennt sich die Gruppe von der Hauptgemeinde und gründet eine selbständige Gemeinde, die sich zunächst als "Evangelische Freikirche Wilmersdorf" bezeichnet, bald aber schon "Philadelphia-Gemeinde" heißt. Heute ist sie als "Gemeinde auf dem Weg" bekannt. Bei der Trennung verlassen ungefähr 20 Mitglieder die Charlottenburger Gemeinde, so daß die Statistik am Ende des Jahres 1980 noch 385 Mitglieder verzeichnet.

Im Rückblick heißt es für das Jahr 1981 in der Chronik, die anläßlich des 90. Jubiläums herausgegeben wurde: "Die Spannungen des Vorjahres wirken sich noch aus. Es ist das Bestreben nach Verständigung, einem neuen Anfang und nach Frieden." Die "Routine" des Gemeindelebens sorgt besonders in ihren evangelistischen Dimensionen für Kontinuität bei allem, was als Umbruch empfunden wird. Ein missionarisches Hausfest findet guten Anklang unter der Bevölkerung. Die regelmäßige Teestubenarbeit und evangelistische Straßeneinsätze in der nahegelegenen Fußgängerzone setzen Akzente im Gemeindeleben.

Willi Bergemann verläßt Charlottenburg nach fast zehnjähriger Tätigkeit in spannungsreicher Zeit, um als Pastor nach Aachen zu wechseln. Als sein Nachfolger beginnt Horst Joost im August 1983 seinen Dienst. In diesem Jahr wird aber nicht nur ein "Hauptamtlicher in Sachen Religion" nach Charlottenburg berufen, sondern auch eine "Hauptamtliche" von Charlottenburg ausgesandt: Ingrid Maier, die in Charlottenburg Mitglied ist, geht als Hebamme im Auftrag der Europäischen Baptistischen Missionsgesellschaft nach Kamerun. Fünf Jahre später folgen ihr zwei weitere Gemeindemitglieder, die im Auftrag derselben Missionsgesellschaft in Südkamerun arbeiten: Jörg und Manuela Reinecke.

1985 werden Günter Spielmann und Joachim Jäger erneut als Älteste berufen und im folgenden Jahr durch die Gemeindeversammlung bestä¬tigt. "Gemeinde - Ort heilender Gemeinschaft", so lautet das Thema einer Familienfreizeit 1983. Darin wird deutlich, daß auch die Trennungen in der Vergangenheit bei allem Ernst, der darin lag, nicht desillusionierend gewirkt haben. Man will einladend Gemeinde gestalten und zur Gemeinde einladen. Das Ladenlokal an der Straßenfront bietet sich hierzu an. Die Jugendgruppe veranstaltet regelmäßig sogenannte "Coffiebar"-Abende, bei denen man Themen des christlichen Glaubens zeitgemäß für junge Menschen vermittelt. Hierzu werden die an der Straße gelegenen Raeume zu einem Café umgestaltet. Kleinkunst und evangelistische Kurzansprachen stehen auf dem Programm. In denselben Räumen entsteht auch ein Schülertreff, der an mehreren Nachmittagen in der Woche stattfindet, und wo Schularbeitshilfe angeboten wird und den Gästen mit Ralf Arndt, einem ehemaligen Drogenabhängigen, ein Ansprechpartner zur Verfügung steht.

Nachdem man bereits 1985 begonnen hat, in den Räumen an der Bismarckstraße sonntäglich "Kirchenkaffee" nach dem Gottesdienst anzubieten, bildet sich 1987 eine neue Initiative, die in wechselnder Gestalt über ein Jahrzehnt lang bis heute eine von außen viel beachtete Seite des Gemeindelebens darstellt: man öffnet die Raeume als sogenanntes "Wochencafé" an zwei Vormittagen in der Woche, um Passanten nach dem Einkaufsbummel in der Wilmersdorfer Straße einen "Rastplatz" zu bieten. Anläßlich des 90-jährigen Jubiläums der Gemein¬de wird im Geleitwort der damals erschienenen Chronik noch einmal bestätigt, woher die Motivation zu solchen Initiativen und Projekten kommt:

"Wir möchten in unserem großen Stadtteil Charlottenburg und in einer sich schnell verändernden Gesellschaft die Gemeindearbeit fortsetzen und unsere missionarischen, diakonischen und seelsorgerlichen Möglichkeiten entdecken und nutzen." Das kommende Jahr 1989 läutet tatsächlich - und besonders in Berlin - groß angelegte gesellschaftliche Veränderungen und den Beginn einer neuen Ära ein.

Mit einem Paukenschlag beginnen am 9. November 1989 ereignisreiche Monate für die Deutschen aus Ost und West: die DDR-Führung, die von Massendemonstrationen und einer Ausreisewelle unter Druck gesetzt ist, öffnet ihre Grenze zum Westen. Noch in derselben Nacht nehmen die "Mauerspechte" in Berlin die Arbeit auf und werden zu Symbolen dessen, was in den nächsten Monaten und Jahren in den Köpfen der Deutschen geschieht: das Abtragen der Mauer. Täglich kommen nun Tausende zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Auto vom Ost- in den Westteil der Stadt. Auch in der Fußgängerzone in der Wilmersdorfer Straße drängeln sich die Besucher. Die Mitarbeiter des "Wochencafés" nehmen die Gelegenheit wahr und öffnen ihre Türe täglich zwischen 10 und 18 Uhr. Ungefähr 150 Besucher - zumeist DDR-Bürger - nehmen dieses Angebot Tag für Tag in Anspruch. Viele von ihnen sind zum ersten Mal in kirchlichen Räumen. Man kommt über das Tagesgeschehen und den christlichen Glauben ins Gespräch - diesseits der Mauer, die nach 28 Jahren, in denen sie das Stadtbild prägte, durchlässig geworden ist. Angeregt durch einen Vorschlag des Diakonischen Werks wird erwogen, eine offizielle Besucher-Empfangs-Stelle einzurichten, für die unter Umständen sogar eine ABM-Stelle geschaffen werden könnte. Auch das Bezirksamt sucht die Hilfe der Kirchengemeinden bei der Betreuung von Über- und Aussiedlern.

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